Adipositas: Die Top-Sünden unter den Lebensgewohnheiten

Donnerstag, 23. Juni 2011

 

Boston – Ungesunde Ernährung und körperliche Inaktivität sind die Ursache für die schleichende Gewichtszunahme im Erwachsenenalter. Die Analyse von drei prospektiven Beobachtungsstudien im New England Journal of Medicine (2011; 364: 2392-2404) zeigt, welchen Anteil die einzelnen Lebensgewohnheiten haben.

Eine Adipositas entwickelt sich allmählich. Die meisten Erwachsene nehmen jedes Jahr um etwa 1 Pfund zu, über zehn Jahre macht das immerhin 5 kg, bis zum Rentenalter kommen schnell 20 bis 30 kg zusammen. Für den einzelnen ist es schwierig, die Zunahme auf bestimmte Ursachen zurückzuführen.

An größeren Gruppen lässt sich eher zeigen, welche Gewohnheiten mit der Gewichtszunahme assoziiert sind. Zu den prominentesten und größten Kohorten gehören die Nurses’ Health Study (Beobachtungszeit 20 Jahre), die Nurses’ Health Study II (12 Jahre) und die Health Professionals Follow-up Study (20 Jahre), die Dariush Mozaffarian und Mitarbeiter von der Harvard School of Public Health jetzt gemeinsam ausgewertet haben.

Das Ergebnis ist eine Hitliste der Dickmacher. Den ersten Platz nehmen Kartoffelchips ein. Der tägliche Verzehr ist nach den Berechnungen Mozaffarians mit einer Gewichtszunahme von 1,69 amerikanischen Pfund (à 453 Gramm) pro 4 Jahreszeitraum verbunden.

Andere Kartoffelgerichte, also auch Pommes frites, steigerten das Gewicht um 1,28 Pfund, Süßgetränke um 1,00 Pfund, nicht verarbeitetes Fleisch, also beispielsweise Koteletts oder Steaks, waren mit einer Zunahme um 0,95 Pfund assoziiert. Verarbeitetes Fleisch, sprich der Hamburger zwischendurch, brachten 0,93 zusätzliche Pfunde.

Es gab aber auch Ernährungsgewohnheiten, die mit einer verminderten Gewichtszunahme assoziiert waren. Für Gemüse ermittelt  Mozaffarian eine Reduktion um 0,22 Pfund. Vollkornprodukte bringen 0,37 Pfund, Obst 0,49 Pfund, Nüsse 0,57 Pfund und Jogurt 0,82 Pfund.

Das bedeutet natürlich nicht, dass der Verzehr dieser Produkte schlank macht. Negative Kalorien gibt es nicht. Wer aber viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse oder Jogurt verzehrt, greift vielleicht seltener zu den energiedichten Nahrungsmitteln, die erst satt machen, wenn man schon zu viel davon gegessen hat.

Insgesamt kann Einfluss der Ernährung auf die Gewichtsentwicklung kaum überschätzt werden. Das Fünftel der Studienteilnehmer mit den ungünstigsten Ernährungsgewohnheiten nahm über den Zeitraum von 4 Jahren 4 Pfund zu, was in etwa der realen Gewichtsentwicklung der Bevölkerung entspricht. Eine Umstellung der Ernährung allein könnte demnach eine Adipositas vermeiden.

Körperliche Aktivität kann dies unterstützen. Der Einfluss ist aber vergleichsweise gering. Mozaffarian beziffert ihn auf 1,76 Pfund pro Quintil der Kohorte. Alkohol, plus 0,41 Pfund pro tägliches Getränk, und Fernsehen, 0,31 pro tägliche Stunde, fördern dagegen das Übergewicht. Es steigt auch bei Personen, die das Rauchen aufgeben (5,17 Pfund in der ersten Zeit, später 0,14 Pfund) und bei Menschen, die nachts nicht genügend Schlaf bekommen.

Die Ergebnisse könnten jüngeren schlanken Menschen gewisse Anreize geben, auf die eine oder andere Angewohnheit zu verzichten, meint Studienleiter Frank Hu. Er rät zum einen dazu, auf die Qualität der Kohlenhydrate zu achten und weniger Zucker in Flüssigkeiten und in Süßigkeiten zu essen, stärkehaltige Produkte (Kartoffeln) einzuschränken und weniger Weißmehlprodukte zu verzehren.

Zum anderen sollte man seltener zu industriell hergestellten Nahrungsmitteln (Weißbrot, Hamburger und Süßgetränken) und häufiger zu Grundnahrungsmitteln wie Obst und Gemüse, Nüssen und Joghurt greifen. © rme/aerzteblatt.de

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