Herzinfarkt: Kohlenhydrate »schlimmer« als gesättigte Fettsäuren

Im Streit um die Frage, welche ernährung vor herz-Kreislauf-erkrankungen, typ-2-Diabetes und Übergewicht schützt, zeichnet sich die lang ersehnte Wende ab. Darauf deutet ein editorial des harvard-Forschers Frank hu hin, veröffentlicht im renommierten american Journal of clinical nutrition. Darin findet sich eine ganze reihe von belastbaren hin- weisen, die aufzeigen, wie kontraproduktiv die ernährungsberatung nach den DGe-re- geln ist.

Frank Hu ist nicht irgendwer, er arbeitet und forscht an der Harvard Medical School in Boston und ist unter anderem an der Nurses Health Studie beteiligt. In seinem Editorial widmet

er sich der Frage, ob raffinierte Kohlenhydrate »schlimmer« für die Gesundheit sind als gesät- tigte Fettsäuren. Anlass ist die Studie einer dänischen Arbeitsgruppe, die im Rahmen einer Modellrechnung untersucht hatte, wie sich das Herzinfarktrisiko bei rund 54.000 Dänen ändern würde, wenn sie einen Teil der gesättigten Fette durch Kohlenhydrate ersetzen würden, so wie es jahrzehntelang zur Infarktprophylaxe empfoh- len wurde. Ergebnis der theoretischen Berech- nungen: Werden fünf Prozent der gesättigten Fette durch hoch glykämische Kohlenhydrate ersetzt, steigt das relative Infarktrisiko signifi- kant um 33 Prozent. Die Autoren betonen zwar auch, dass der Austausch durch niederglykä- mische Kohlenhydrate das Risiko senken würde, der Effekt war jedoch nicht signifikant.

Dazu schreibt Hu, angesichts dieser und anderer Studien sowie aufgrund der steigenden Zahl von Adipösen und Typ-2-Diabetikern sei es »nötig, das dominierende Diät-Herzinfarkt-Paradigma sowie die damit verbundenen Ernährungsemp- fehlungen zu überdenken, insbesondere die Stra- tegie, Fette beziehungsweise gesättigte Fett- säuren durch Kohlenhydrate zu ersetzen«. Zwar habe man komplexe Kohlenhydrate lange für gesund gehalten, doch würden viele komplexe Kohlenhydrate, wie etwa Weißbrot, höhere gly- kämische Reaktionen hervorrufen als einfache Zucker. »Daher ist der Begriff komplexe Koh- lenhydrate nicht geeignet, um die Qualität von Kohlenhydraten zu beschreiben.«

Sinnvoller seien der Ballaststoffgehalt, der glykämische Index und die glykämische Last. Angesichts der Tatsache, dass die meisten in westlichen Ländern verzehrten Kohlenhydrate hoch glykämisch sind (Weißbrot, Gebäck, süße Getränke) und angesichts der Diabetes- und Adi- positasepidemie »sollte es oberste Priorität im öffentlichen Gesundheitswesen haben, den Ver- zehr raffinierter Kohlenhydrate zu senken«. Am besten sei, man ersetzt sie durch ungesättigte Fettsäuren und gesunde Proteine – die LOGI- Methode lässt herzlich grüßen.

Hu, F: Are refined carbohydrates worse than saturated fats? American Journal of Clinical Nutrition 2010;91:1541-1542 und Jakobsen, MU et al: Intake of carbohydrates compared with intake of saturated fatty acids and risk of myocardial infarction: importance of glycemic index. American Journal of Clinical Nutrition 2010;91:1764-1768

One thought on “Herzinfarkt: Kohlenhydrate »schlimmer« als gesättigte Fettsäuren

  • Zum Thema ungesättigte Fettsäuren ist noch interessant zu erfahren, dass so genannte „Transfette“, die durch das Erhitzen von ungesättigte Fettsäuren entstehen, dem Herzen eher schaden, somit sind diese Fettsäuren nur im – ich möchte mal sagen – „normalen“ Zustand ungefährlich.
    Danke für den interessanten Artikel! Der Konsum von Kohlenhydrate sollte jeder für sich etwas zurückfahren.

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