Sport senkt Langzeit-Blutzucker

Diabetes:

Mittwoch, 24. November 2010

 

dpaBaton Rouge – Diabetikern wird generell zu mehr sportlicher Aktivität geraten. Einen signifikanten Einfluss auf den Langzeit-Parameter HbA1c wurde in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 2253-2262) aber nur erreicht, wenn Kraft- und Ausdauertraining kombiniert wurden.

In der „Health Benefits of Aerobic and Resistance Training in Individuals with Diabetes“ oder HART-D-Studie trainierten 262 Typ-2-Diabetiker, die vorher eher einen sitzenden Lebensstil bevorzugt hatten, dreimal in der Woche.

Ein Drittel betrieb jeweils 50 Minuten leichten Ausdauersport mit einem Verbrauch von 21 kcal/kg Körpergewicht, was in etwa dem forcierten Gehen mit etwa 6,5 km/Stunde entspricht. In einer zweiten Gruppe wurde während der Zeit ein Krafttraining betrieben: An zwei bis drei Geräten wiederholten die Probanden 9 Übungen jeweils 10 bis 12 Mal. In der kombinierten Gruppe wurde 42 Minuten “gewalkt”, und anschließend ein wenig Krafttraining (weniger als ein Drittel der zweiten Gruppe) betrieben.

Diese Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining hat am Ende der Studie, die mit 9 Monaten die längste Laufzeit der bisherigen Studien zu dieser Frage hatte, den HbA1c-Wert um 0,34 Prozentpunkte gesenkt.

Das Krafttraining schaffte 0,16 Prozentpunkte, das Ausdauertraining 0,24 Prozentpunkte. Das Signifikanzniveau wurde nur unter der Kombinationstherapie erreicht, wie Timothy Church von der Louisiana State University System in Baton Rouge mitteilt.

Das Ergebnis wirkt nicht überragend, man muss aber bedenken, dass die Probanden Mitte 50 waren und seit fast 9 Jahren an einem Typ-2-Diabetes mellitus litten, dem sicherlich viele Jahre eines trägen Lebensstils vorausgingen. Außerdem wurde in der Studie nicht versucht, die Ernährungsgewohnheiten zu ändern.

Dies war in der Diabetes Aerobic and Resistance Exercise (DARE) geschehen, an der 251 Typ-2-Diabetiker teilgenommen hatten. Nach 22 Wochen war der HbA1c-Wert unter dem Ausdauertraining (plus Diät) um 0,51 Prozentpunkte, unter dem Krafttraining (plus Diät) um 0,38 Prozentpunkte und unter dem kombinierten Training (plus Diät) um 0,97 Prozentpunkte gesunken (Annals of Internal Medicine 2007; 147: 357-369).

Das sind aus diabetologischer Sicht keine banalen Ergebnisse: Denn ein Prozentpunkt weniger im HcA1c-Wert bedeutet auf Dauer 15 bis 20 Prozent weniger Herzkreislaufereignisse und 37 Prozent weniger mikrovaskuläre Komplikationen – wenn denn die Patienten auf Dauer ihren Lebensstil ändern.

Dies ist, wie der Editorialist Ronald Sigal aus Calgary ausführt (JAMA 2010; 304: 2298-2299), nur zu erwarten, wenn die Patienten unter Aufsicht trainieren. Alle Versuche, die Patienten zu einem eigenständigen Training zuhause zu motivieren, seien in Studien gescheitert. © rme/aerzteblatt.de

 

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