Sport statt Tagesschau verlängert das Leben

Dienstag, 16. August 2011
Zhunan/Brisbane – Schon 15 Minuten Sport am Tag, die Dauer einer Nachrichtensendung im Fernsehen, steigert die Lebenserwartung um durchschnittlich 3 Jahre. Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird einer prospektiven Kohortenstudie im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)60749-6) zufolge auch Krebserkrankungen vorgebeugt. Wer dagegen täglich 6 Stunden vor dem Fernseher verbringt, verliert laut einer Studie im British Journal of Sports Medicine (2011; doi:10.1136/bjsm.2011.085662) fünf Jahre seines Lebens.Bei den jährlichen Vorbeugeuntersuchungen werden die Kunden auch ausführlich zu ihren Lebensgewohnheiten befragt, darunter der sportlichen Aktivität. In Taiwan ist ein Abgleich der Personendaten mit dem Sterberegister anhand einer Identifikationsnummer möglich. Für Chi Pang Wen vom National Health Research Institute in Zhunan/Taiwan war es deshalb ein Leichtes, die sportliche Aktivität mit der Mortalität in Beziehung zu setzen.

Auf der Basis von 416.175 Kunden, die über 8,05 Jahre nachbeobachtet wurden, kann Wen eine dosisabhängige Assoziation zwischen körperlicher Aktivität und der verminderten Sterblichkeit herstellen. Ähnliche Kurven haben auch die großen prospektiven Beobachtungsstudien in westlichen Ländern ergeben.

Dies hat zu der allgemeinen Empfehlung an die erwachsene Bevölkerung geführt, sich täglich 30 Minuten körperlich zu betätigen und dies fünf Mal in der Woche. Diesen Ehrgeiz bringen in den Industrieländern nur wenige Menschen auf. Auch in der taiwanesischen Kohorte war etwa die Hälfte körperlich inaktiv. Ein Viertel hielt sich an die Empfehlungen. Ein weiteres Viertel war im Durchschnitt nur etwa 15 Minuten am Tag in nennenswerter körperlicher Bewegung.

Neu an den Ergebnissen von Wen ist nun, dass diese „low-volume“-Aktivität bereits in der Lage ist, das Sterberisiko zu vermindern: Die Gesamtmortalität war um 14 Prozent, die Krebssterblichkeit um 10 Prozent und die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um 20 Prozent reduziert.

Anschaulicher ist das Beispiel eines 30-Jährigen: Bei einer „low-volume“-Aktivität, also 15 Minuten an 6 Tagen in der Woche, können Männer mit einer Steigerung der Lebenserwartung um durchschnittlich 2,55 Jahre rechnen. Bei Frauen sind es 3,10 Jahre. Bei einer sportlichen Aktivität von 30 Minuten an 5 Tagen in der Woche steigt die Lebenserwartung bei Männern um 4,21 Jahre und bei Frauen um 3,67 Jahre.

Wie bei allen prospektiven Beobachtungsstudien gibt es den Einwand der reversen Kausalität. Krankheiten, die zu einem früheren Tod führen, könnten einige Menschen davon abhalten, sich körperlich zu betätigen. Laut dem Editorialisten Anil Nigam vom Montreal Heart Institut sind jedoch auch randomisierte Studien konsistent zu dem Ergebnis gelangt, dass körperliche Aktivität die Sterblichkeit senkt.

Eine präventive Wirkung sei nicht nur bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen plausibel, wo Sport einen günstigen Einfluss auf die endotheliale Funktion, den autonomen Tonus und auf Entzündungsparameter hat, die alle die Entwicklung einer Atherosklerose hemmen. Das verminderte Risiko, an Krebs zu sterben, erklärt Nigam mit der gesünderen Ernährung, dem niedrigeren Gewicht und verminderten Entzündungsparametern.

Eine Viertelstunde Sport am Tag entspricht der Länge der Tagesschau im Fernsehen. Dass diese oder andere Fernsehzeiten besser mit sportlicher Aktivität verbracht werden sollten, findet auch J. Lennert Veerman vom Centre for Burden of Disease and Cost-Effectiveness an der Universität von Queensland in Brisbane.

Auf der Basis einer anderen Beobachtungsstudie, der Australian Diabetes, Obesity and Lifestyle Study, kommt der Forscher zu dem Ergebnis, dass jede Stunde vor dem Fernseher die Lebenserwartung eines 25-Jährigen um 22 Minuten mindert. Bei 6 Stunden am Tag würde sich das Leben nach den Berechnungen des Autors um 4,8 Jahre verkürzen. © rme/aerzteblatt.de

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.